Bei der Kreislaufwirtschaft geht es darum, verantwortungsbewusst mit Ressourcen umzugehen – die Lebensdauer von Produkten zu verlängern und Materialien so lange wie möglich im Umlauf zu halten. Doch wie lässt sich dies in der Praxis beim Kauf und der Nutzung von IT-Produkten umsetzen? Basierend auf Erkenntnissen von Kreislaufwirtschaftsexperten, Beschaffungsfachleuten und IT-Marken fasst dieser Artikel Tipps zusammen, die Ihnen helfen, den nächsten Schritt in Richtung einer kreislauforientierten IT zu gehen.
Nutzen Sie Ihre Kaufkraft
1. Machen Sie deutlich, dass Sie von Ihren Lieferanten Kreislauflösungen erwarten. Legen Sie im Beschaffungsprozess fest, dass kreislaufwirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen erforderlich sind, und verknüpfen Sie diese Erwartungen gegebenenfalls mit den Klima- und Kreislaufzielen Ihres Unternehmens. Eine klare Kundennachfrage ist ein starker Motor für eine nachhaltigere Produktentwicklung.
2. Suchen Sie nach Anbietern, die langlebige Produkte sowie Reparatur-, Aufrüstungs-, Wiederverwendungs- und Wiederverkaufsdienste anbieten, die dazu beitragen, die Lebensdauer der Produkte zu verlängern. Gemeinsame Prioritäten können dazu beitragen, Ihre Ziele im Hinblick auf ein kreislauforientiertes und nachhaltiges IT-Management zu erreichen. Nutzen Sie vorwettbewerbliche Dialoge und Informationsanfragen (RFIs), um Informationen zu sammeln.
3. Nehmen Sie Kriterien zur Kreislaufwirtschaft in Ihre Beschaffungsrichtlinien und Ausschreibungsunterlagen auf. Legen Sie beispielsweise Anforderungen an die Langlebigkeit und Reparierbarkeit fest, um die Lebensdauer der Produkte zu verlängern, sowie Anforderungen zur Reduzierung oder Vermeidung gefährlicher Stoffe, um die Recyclingfähigkeit der Materialien zu verbessern.
4. Verringern Sie die Umweltbelastung, indem Sie sich für gebrauchte Produkte entscheiden und diese von seriösen Anbietern für Aufarbeitung und Wiederaufbereitung beziehen.
5. Überschätzen Sie nicht die ökologischen und finanziellen Vorteile einer Umstellung auf ein energieeffizienteres Gerät. In vielen Fällen werden die potenziellen Einsparungen durch die negativen Auswirkungen der Herstellung mehr als aufgewogen.
6. „Product-as-a-Service“-Lösungen werden immer häufiger. Beachten Sie, dass Leasingdienste nicht automatisch kreislaufwirtschaftlich sind. Sie müssen kreislaufwirtschaftliche Kriterien berücksichtigen, genau wie beim Kauf von Produkten.
7. Bitten Sie Ihren Lieferanten um eine umfassende Garantie, die Wartung, Reparaturen und den Austausch von Akkus während der voraussichtlichen Lebensdauer des Produkts abdeckt. Dies sorgt für eine bessere Kostenvorhersehbarkeit und gibt IT-Marken einen Anreiz, langlebigere und hochwertigere Geräte zu entwickeln.
Nutzen Sie Ihre IT-Produkte länger
8. Nutzen Sie Ihre IT-Geräte länger – das ist eine der wirksamsten Methoden, um die Auswirkungen auf das Klima zu verringern, natürliche Ressourcen zu schonen und Elektroschrott zu minimieren. Reparieren und rüsten Sie sie bei Bedarf auf, anstatt sie zu ersetzen.
9. Denken Sie beim Kauf eines IT-Produkts langfristig – entscheiden Sie sich für ein leistungsstarkes Produkt, dessen Kapazität Ihren Anforderungen über mehrere Jahre hinweg gerecht wird.
10. Achten Sie darauf, dass die Produkte, die Sie kaufen, auf Langlebigkeit ausgelegt sind. Sie müssen strapazierfähig, aufrüstbar und leicht zu reparieren sein.
11. Achten Sie auf die Akkulaufzeit. Viele tragbare IT-Geräte werden entsorgt, weil der Akku seine Ladekapazität verloren hat. Achten Sie darauf, dass der Akku hochwertig und leicht austauschbar ist.
12. Verlängern Sie die Lebensdauer des Akkus, indem Sie das Gerät so oft wie möglich auf einem Ladezustand von 20 bis 80 Prozent halten und es nicht an heißen Orten liegen lassen.
13. Rücknahmeprogramme einführen, bei denen gebrauchte IT-Produkte zur Aufarbeitung, Wiederverwendung, zum Weiterverkauf oder zum verantwortungsvollen Recycling an den Lieferanten zurückgegeben werden.
14. Achten Sie auf alte Gewohnheiten und Richtlinien, die einer Kreislaufwirtschaft im Wege stehen. Dazu gehören beispielsweise kurze Austauschzyklen für Geräte, Richtlinien, nach denen Mitarbeiter stets brandneue Geräte erhalten müssen, oder Beschaffungsabläufe, bei denen die niedrigsten Anschaffungskosten Vorrang vor Langlebigkeit, Reparaturfähigkeit und Wiederverwendbarkeit haben.
Beziehen Sie den Rest Ihrer Organisation mit ein
15. Bewerten Sie die aktuelle Situation, um festzustellen, wo und wie kreislaufwirtschaftliche Praktiken eingeführt werden können. Ein guter Anfang kann darin bestehen, Personen zu befragen, die mit der Beschaffung und Verwaltung von IT-Systemen befasst sind.
16. Seien Sie sich bewusst, wie sich kreislauforientierte IT-Praktiken auf die Mitarbeiter auswirken können, und beziehen Sie diese frühzeitig in den Prozess ein. Erstellen Sie eine interne Richtlinie für ein kreislauforientiertes IT-Management, die Umweltverantwortung mit den praktischen Anforderungen der verschiedenen Rollen und Arbeitsaufgaben in Einklang bringt.
17. Schaffen Sie klare Anreize, indem Sie die Vorteile der Kreislaufwirtschaft aufzeigen, wie etwa geringere Auswirkungen auf das Klima, weniger Elektroschrott, eine verbesserte Betriebsleistung und niedrigere Kosten für das IT-Management.
18. Legen Sie KPIs fest, um die Auswirkungen Ihrer kreislauforientierten IT-Praktiken zu messen. Überwachen Sie beispielsweise das jährliche Aufkommen an Elektroschrott, den CO₂-Fußabdruck pro Mitarbeiter und den Anteil an recycelten Materialien. Für Produkte mit TCO Certified finden Sie verifizierte Daten im Report Generator.
19. Die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen ist von entscheidender Bedeutung und wird Ihnen helfen, schneller Fortschritte zu erzielen. Beziehen Sie Entscheidungsträger und Fachleute aus den Bereichen IT, Beschaffung, Nachhaltigkeit, Finanzen, Facility Management und Kommunikation in regelmäßige Gespräche zum Thema Kreislaufwirtschaft ein.
20. Das Wissen um Nachhaltigkeitsthemen kann sowohl die Unternehmensleitung als auch die Mitarbeiter dazu motivieren, Veränderungen voranzutreiben. Stellen Sie sicher, dass Sie gut über die Auswirkungen von IT-Produkten auf das Klima, über gefährliche Stoffe in Produkten und bei der Herstellung, über den Ressourcenverbrauch, über Elektroschrott sowie über Risiken in der Lieferkette informiert sind.
21. Stellen Sie sicher, dass gefährlicher Elektronikschrott verantwortungsbewusst entsorgt und nicht illegal exportiert wird. Arbeiten Sie mit qualifizierten Entsorgungsunternehmen zusammen, die Produkte sicher und unter Einhaltung der Vorschriften entsorgen.
22. Unterteilen Sie die Nutzer in Ihrem Unternehmen nach ihren IT-Anforderungen. So können Sie den Einsatz der Geräte optimieren und Möglichkeiten zur Wiederverwendung von Produkten erkennen.
23. Machen Sie sich bewusst, dass Veränderung ein langfristiger Prozess ist. Behalten Sie eine langfristige Perspektive bei und lassen Sie Zeit und Raum für Verhaltensänderungen.
Geben Sie Ihren IT-Produkten ein zweites Leben
24. Richten Sie Abläufe für die Sammlung ausgedienter IT-Geräte ein, damit diese wiederverwendet oder recycelt werden können, anstatt in einer Schublade zu verstauben. Sorgen Sie beispielsweise dafür, dass alte Geräte abgegeben werden, bevor neue ausgegeben werden.
25. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, IT-Produkte wieder zu verwerten, sobald diese den Anforderungen Ihres Unternehmens nicht mehr entsprechen. Prüfen Sie den Weiterverkauf über seriöse Partner für die Aufarbeitung oder Wiederaufbereitung und ziehen Sie Spenden für wohltätige Zwecke oder den Verkauf an Mitarbeiter in Betracht.
26. Schützen Sie Ihre Daten – verwenden Sie Software zur sicheren Datenlöschung oder stellen Sie sicher, dass das Unternehmen, an das Sie Produkte verkaufen, dies auf sichere Weise übernimmt.
27. Bitten Sie Ihren Händler um einen Nachweis, dass das Produkt generalüberholt oder wiederaufbereitet und an einen neuen Nutzer verkauft wurde, damit es nicht vorzeitig entsorgt wird.
28. Wenn Sie Ihre Produkte weiterverkaufen möchten, tun Sie dies, sobald Sie sie nicht mehr benötigen. Mit jedem Monat, den sie eingelagert bleiben, verlieren sie an Wert.
29. Legen Sie Ladegeräte und Kabel bei, wenn Sie Ihre IT-Produkte verkaufen – andernfalls müssen möglicherweise neue hergestellt werden, was sowohl den ökologischen Nutzen als auch den erzielten Erlös schmälert.
Sich mit anderen zusammentun
30. Wenn das Hauptziel darin besteht, eine Kreislaufwirtschaft zu etablieren, ist es unmöglich, die Kreisläufe im Alleingang zu schließen. Man muss mit den Beteiligten über den gesamten Lebenszyklus hinweg zusammenarbeiten, um etwas zu erreichen.
31. Scheuen Sie sich nicht, um Hilfe zu bitten. Schließen Sie sich Netzwerken an, lernen Sie von anderen und geben Sie Ihr Wissen weiter.
32. Denken Sie daran, dass selbst die kleinsten Beiträge wertvoll sind. Es spielt keine so große Rolle, wie der erste Schritt aussieht, solange Sie ihn nur machen.
33. Schließen Sie sich mit anderen Einkäufern zusammen, um Ihre Kaufkraft und Ihren Einfluss zu steigern. Durch die Nutzung einer glaubwürdigen Nachhaltigkeitszertifizierung wie TCO Certified stellen Sie sicher, dass Sie sich auf dieselben Kriterien stützen wie Tausende andere Einkäufer weltweit. Dies macht Ihre Arbeit im Bereich der Kreislaufwirtschaft in der IT effizienter und schont Ihre Ressourcen.

